1800 - 1918

Der erste jüdische Privatdozent: Alexander Haindorf

Alexander Haindorf (Marmorbüste): geboren 1782 in Lehnhausen/Westfalen, Studium der Medizin in Würzburg, Bamberg, Jena, Heidelberg, 1810 Promotion, 1811 Habilitationin Heidelberg, 1811-1812 Privatdozent für Psychiatrie, Chirurgie und Geburtshilfe an der Universität Heidelberg, 1815-1847 Privatdozent in Münster, hier Begründung eines "Vereins zur Beförderung von Handwerken und Künstenunter den Juden" sowie einer Elementarschule und eines Seminars zur Ausbildung jüdischer Lehrer ("Marks-Haindorf-Stiftung"), 1862 in Hamm gestorben.

Alexander Haindorf war 1811 der erste an der Universität Heidelberg zugelassene Privatdozent. Sein Antrag auf eine außerordentliche Professur zwei Semester späterwurde von der Medizinischen Fakultät wegen der noch ausstehenden Bewährungals Privatdozent abgelehnt. Zwar traten hier keine antijüdischen Motivein den Vordergrund, ein Partikularvotum in der Fakultät wies jedoch auch in Haindorfs Fall darauf hin, dass "er kein Christ, sondern ein Jude ist, und weilennoch kein einziges Beispiel vorhanden, daß auf irgendeiner Universität Deutschlands ein Jude als öffentlicher Lehrer angestellt war."

Nach seiner Ablehnung in Heidelberg und weiteren gescheiterten Bewerbungen um Professurenin Düsseldorf und Münster widmete sich Haindorf in seiner Heimat Westfalen neben medizinischen vor allem kulturellen Aufgaben.


Abb. aus: Susanne Freund: Jüdische Bildungsgeschichte zwischen Emanzipation und Ausgrenzung.
Paderborn 1997