1945 - ...

Rabbinerausbildung in Heidelberg

Am 10. Mai 2001 wurde der Ignatz-Bubis-Lehrstuhl für Religion, Geschichte und Kultur des europäischen Judentums an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg eingeweiht. Die Professur, die in erster Linie der Ausbildung von Rabbinern dienen soll, knüpft damit an die 1933 abrupt abgebrochene Tradition an. Die Ausbildung, die - in Ermangelung eines Rabbinerseminars in Deutschland - nach der Zwischenprüfung im Ausland abgeschlossen wird, kann in orthodoxer, konservativer und liberaler Richtung absolviert werden. Damit wird sowohl die Vielfalt jüdischen Lebens als auch der Gedanke der Wahrung der Einheitsgemeinde berücksichtigt. Im Gedenken an den 1999 verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, der sich maßgeblich für die Erweiterung der Religionslehrerausbildung an der Hochschule für Jüdische Studien eingesetzt hatte, trägt der neu eingerichtete Lehrstuhl seinen Namen.

Exponat 215Festakt zur Einweihung
Exponat 216Zeitungsbericht mit Bildern

Religiöses Leben heute

Jüdische Kultusgemeinde Heidelberg:

1945 schien ein Neubeginn jüdischen Lebens in Deutschland unmöglich. Gleichwohl gründeten die in Deutschland gebliebenen Juden neue Gemeinden, deren Dachorganisation, der 1950 gegründete Zentralrat der Juden, die Aufbauarbeit unterstützt. Der seit 1968 bestehende Bundesverband jüdischer Studenten in Deutschland vertritt die Interessen der akademischen Jugend.

Zur Zeit gibt es 83 jüdische Gemeinden, von denen die Berliner mit über 11.000 Mitgliedern die größte ist. Es folgen Frankfurt und München mit fast 7.000 Mitgliedern. Heute leben etwa 100.000 Juden in Deutschland. Damit ist die deutsche jüdische Gemeinde - insbesondere durch Zuwanderung aus Osteuropa - die am schnellsten wachsende und drittgrößte in Westeuropa.

Die Heidelberger Jüdische Kultusgemeinde besteht heute aus 430 Mitgliedern. Nach mehreren Provisorien konnte sie im Jahr 1994 ein neu erbautes Gemeindezentrum beziehen und eine von dem Frankfurter Architekten Alfred Jacoby gebaute Synagoge einweihen. Somit besteht nach langen Jahren der Übergangs wieder ein Mittelpunkt jüdischen Lebens in Heidelberg.

Exponat 218Die neue Synagoge (Fotografie)
Exponat 219Der Gottesdienstraum (Fotografie)