Laudatio in den Physikalischen Blättern  42(1986) Nr. 3

Die DPG verleiht die Max-Planck-Medaille in diesem Jahr an Dr. Franz Joachim Wegner (geb. 1940), Ord. Professor für Theoretische Physik an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Ihm wird damit für seinen wichtigen Anteil bei der Formulierung von Gittereichtheorien, seine bedeutenden Arbeiten zur Theorie der Phasenübergänge und seine fruchtbaren Beiträge zu Fragen der Lokalisierung von Elektronen in ungeordneten Festkörpern die höchste Auszeichnung zuerkannt, die die Deutsche Physikalische Gesellschaft zu vergeben hat.

Dieser jährlich vergebene DPG-Preis besteht aus einer goldenen Gedenkmedaille und einer auf Pergament handgeschriebenen Urkunde. Er wurde 1929 gestiftet und noch im selben Jahr an Max Planck und Albert Einstein verliehen.

Mit seinen Überlegungen zu Phasenübergängen und kritischen Phänomenen hat Wegner - unter anderem - ganz entscheidend zur begrifflichen Entwicklung der Methode der Renormierungsgruppe beigetragen. In einer frühen Arbeit zur Dualität in einem verallgemeinerten Ising-Modell entwickelte er eine eichinvariante Formulierung und die zugehörigen Begriffe, die heute im Bereich der Elementarteilchentheorie, speziell bei Gittereichtheorien, wesentlich geworden sind. Seine neueren Beiträge beschäftigen sich vorwiegend mit Fragen der Lokalisierung von Elektronen in ungeordneten Festkörpern. Aus diesem Bereich ist eine feldtheoretische Formulierung, ein nichtlineares sigma-Modell, hervorzuheben. Es gestattet auch für dieses Problem Methoden der Renormierungsgruppe zu benutzen und beispielsweise das Skalenverhalten an der Mobilitätskante zu untersuchen.

Mit seinen Arbeiten hat Franz Wegner nicht nur wichtige Beiträge zur Festkörperphysik geliefert, er hat auch beispielhaft gezeigt, wie neue Methoden und Konzepte andere Bereiche der Theoretischen Physik befruchten können.

Franz Wegner studierte und promovierte an der TH München und nahm nach Aufenthalten an der KFA Jülich und der Brown University Providence, USA, einen Ruf nach Heidelberg an. Für seine Arbeiten über kritische und tri-kritische Phänomene erhielt er 1976 den Walter-Schottky-Preis.