Laudatio in den Physikalischen Blättern  38(1982) Nr. 4


Die Max-Planck-Medaille wird in diesem Jahr an Hans-Arwed Weidenmüller, geb. 1933 in Dresden, Direktor am Max-Planck-lnstitut für Kernphysik in Heidelberg und Ord. Professor für Theoretische Physik an der dortigen Universität, verliehen.

Weidenmüller studierte zunächst in Bonn, dann in Heidelberg als Schüler von Professor Jensen. Danach war er mehrere Jahre in den USA wissenschaftlich tätig.

Er erhält diese höchste Auszeichnung, die die Deutsche Physikalische Gesellschaft zu vergeben hat, für seine bedeutenden Beiträge zur Theorie der Atomkerne. Hervorzuheben sind dabei seine Arbeiten zum Betazerfall, zur Theorie der Kernreaktionen und ihre Behandlung im Schalenmodell unter Einschluß des Kontinuums, zu Isospinanalogzuständen und ihren spektroskopischen Eigenschaften und zur effektiven Wechselwirkung in Kernen und ihrer störungstheoretischen Beschreibung. Besonders zu erwähnen ist auch die Entwicklung einer mikroskopischen statistischen Theorie der Kernreaktionen, die in ihrer Anwendung als Theorie von Transportphänomenen in hervorragender Weise unser Verständnis der Zusammenstöße schwerer Atomkerne erweitert hat. Neben der Behandlung von Schwerionenreaktionen und der Erklärung experimentell beobachteter Winkel-, Energie-, Massen- und Ladungsverteilungen von Reaktionsprodukten erlaubt die Theorie auch eine Behandlung der Isospinmischung hochangeregter Compound- kerne als Transportphänomen.

Hans-Arwed Weidenmüller hat mit seinen vielen fruchtbaren Arbeiten auf einem breiten Gebiet die theoretische Kernphysik enorm bereichert und durch ihre bestechend klare Formulierung der Sachverhalte und ihre hohe physikalische Aussagekraft auch bei experimentellen Kernphysikern äußerst anregend gewirkt.